Pfarrer - Initiative

 


 

Resolution

 

Die österreichische PFARRER – INITIATIVE hat in ihrer außerordentlichen Generalversammlung am 2. Mai 2010 die  aktuelle Situation der römisch – katholischen Kirche beraten und dabei die folgende Resolution beschlossen: 

 

Seit mehreren Wochen werden schwerwiegende Vorwürfe gegen Papst Benedikt XVI. bezüglich dessen Vorgangsweise als Präfekt der Glaubenskongregation in Fällen sexueller Ausbeutung erhoben.  Die bisher unterbliebene Klärung durch den Papst selbst schadet der Glaubwürdigkeit aller Bemühungen in der Kirche um einen  entschiedenen und transparenten Umgang mit den bisherigen Vorfällen und um eine möglichst wirksame Verhinderung weiterer Fälle.

 

Wir appellieren an den Papst: Beauftragen Sie eine von der Hierarchie unabhängige Instanz mit der rückhaltlosen Klärung der durch die Vorwürfe entstandenen Fragen oder stellen Sie Ihr Amt zur Verfügung!

 

Als PFARRER–INITIATIVE sind wir tief betroffen vom Ausmaß der aufgedeckten Fälle sexueller Ausbeutung in der Kirche. Leider hat erst der Druck der Medienbericht-
erstattung zu einer entschiedeneren Vorgangsweise durch die Kirchenleitung geführt. Die umfassende Aufarbeitung des Geschehenen kann aber nicht gelingen, wenn die derzeitigen Strukturen in der Kirche ausgeklammert werden. Es ist erwiesen, dass autoritäre Strukturen in der gesamten Gesellschaft ebenso wie in der Kirche die sexuelle Ausbeutung und ein exzessives Ausleben von Macht an Unterlegenen, Ausgelieferten und Unwissenden begünstigen und verdecken. Der Umgang mit Fällen von Missbrauch geistlich–religiöser Autorität in sexueller Ausbeutung zeigt schwerwiegende Mängel der kirchlichen Verantwortungsstrukturen:

-  die unkontrollierte Alleinverantwortung und Macht des Papstes ohne
   ausreichende
Einbindung in  eine kollegiale Führungsstruktur,

-  der damit einhergehende Ausfall der Bischöfe als mittlere Führungsebene,

-  das Fehlen einer in zeitgemäßen Rechtssystemen selbstverständlichen
   Gewaltenteilung,

-  die geringe Transparenz von Entscheidungen, aber auch wenn nicht 
  
entschieden wird,

-  die fehlende Kultur einer Rechenschaft der Amts- und Vollmachtsträger
  
gegenüber dem 
Kirchenvolk,

-  der Ausschluss des Kirchenvolkes von Entscheidungen u. a. m.

Die derzeitige absolutistische Kirchenstruktur blockiert auch die Lösung 
dringend anstehender kirchlicher Zukunftsfragen:

-  die Neuordnung des Lebens christlicher Gemeinden

-  die Reform der Kirchenlehre nach den Maßstäben des Evangeliums,

-  die Ökumene der christlichen Kirchen,

-  den Dialog mit den Religionen der Erde und

-  die weltweite Solidarität hinsichtlich der Würde und der Rechte
  
jedes Menschen.        

 

Wir appellieren an die Bischöfe in ihrer Verpflichtung gegenüber den Anliegen und Sorgen der Ortskirchen und Gemeinden und in ihrer kollegialen Mitverantwortung in der Leitung der Weltkirche: Setzen Sie sich gemeinsam ein für die Einberufung eines Konzils zu den großen Fragen des Zukunftsweges unserer Kirche!

  

In den vergangenen Wochen haben wieder außerordentlich viele Menschen unserer Kirche den Rücken gekehrt und sind ausgetreten. Bei den meisten von ihnen hatten wir Pfarrer und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter keine Chance zu einem klärenden Gespräch im Vorfeld dieser Entscheidung. Zu groß sind oft schon unsere Pfarren und zu dünn die Kontakte zu den Menschen, als dass wir ihnen nahe bringen könnten, worum es der Kirche als Gemeinde vor Ort wirklich geht, und warum es sich lohnt, zu ihr zu gehören und sie mitzutragen.

 

Wir appellieren an die Mitchristinnen und Mitchristen in unserer Kirche: Treten Sie nicht aus, sondern helfen Sie den Reformbewegungen dafür einzutreten, dass die Kirche ihren Auftrag zeitgemäß erfüllt. Die Kirche ist für die Menschen da und nicht umgekehrt!    

 

 

Bitte nehmen Sie Stellung, reden Sie mit, sagen Sie uns und anderen Ihre Meinung im   F O R U M