Montag 18. Dezember 2017

Katholische Reformgruppen fordern Bischöfe auf, die Vision des Papstes aktiv zu unterstützen

Limerick/Irland, 18.04.2015. Das zweite internationale Treffen katholischer Pfarrer-Initiativen und Reformgruppen endete am Donnerstag mit dem Aufruf an die Bischöfe, die Vision des Papstes für eine erneuerte Kirche „mutig und öffentlich“ zu unterstützen. Im Fokus der viertägigen Konferenz standen vor allem die Frage einer dezentraleren und partizipativeren Kirchenstruktur zur Stärkung der Ortskirche sowie die Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche.

 

Gastgeber Tony Flannery von der irischen „Association of Catholic Priests“ (ACP) brachte die Motivation der Anwesenden auf den Punkt: "Die Wahl von Papst Franziskus ist für lange Zeit unsere beste Chance für eine Erneuerung der Kirche!"

 

Über 30 katholische Priester, Katholikinnen und Katholiken aus den Vereinigten Staaten, Indien, Australien, Großbritannien, Irland, Italien und der Slowakei nahmen an der Konferenz in Limerick teil. Auch die Pfarrer-Initiativen aus Österreich und der Schweiz, die das Netzwerk 2013 ins Leben gerufen haben, die deutsche Pfarrer-Initiative, sowie internationale VertreterInnen von „IMWAC - Wir sind Kirche“ waren vor Ort.

 

In ihrem zentralen Anliegen waren sich die Reformer einig: „Für die Zukunft unserer Kirche brauchen wir lebendige Gemeinden. Gemeinden, die jeden einladen – ohne Ausnahme. Das geht nur, wenn wir Leitungskompetenzen neu verteilen: weg vom Vatikan hin zu den Pfarrgemeinden und weg von zölibatären Männern hin zu den Frauen. Wie sonst soll sich Papst Franziskus’ Vision einer Kirche als echte Weggefährtin, nahe bei den Menschen, verwirklichen?“, fasste Helmut Schüller von der österreichischen Pfarrer-Initiative die Besorgnis der internationalen Reformer zusammen.

 

Einigkeit herrschte auch darüber, dass zu einer Kirche, die den Menschen in Respekt und auf Augenhöhe verbunden ist, eine Rechenschaftspflicht für alle Glieder der kirchlichen Hierarchie gehört sowie verfasste Grundrechte, die allen Kirchenmitgliedern eine echte Beteiligung am kirchlichen Leben gewährleisten.

 

Mit Blick auf die Familien-Synode im Herbst forderten die Reformgruppen eine ernst gemeinte Beteiligung von LGBT, Geschiedenen und Wiederverheirateten, Alleinerziehenden und anderen von der katholischen Kirche an den Rand gestellten Menschen.

 

Als besonders schmerzhaft erlebten die KonferenzteilnehmerInnen die Diskriminierung von Frauen in der Kirche. Im Rahmen einer sehr offenen und ehrlichen Diskussion wurde überdeutlich, wie groß der Schmerz über den Ausschluss von Frauen aus Leitungsfunktionen und vom Priesteramt bei allen Beteiligten ist: „Hier werden Gräben gerissen, die unser gesamtes Kirchenleben beeinflussen“, erklärte Deborah Rose-Milavec von der US-amerikanischen Reformorganisation „Future Church“.
 

Betroffenheit herrschte auch angesichts der Angst mancher Teilnehmenden vor Repressionen  durch ihre Bischöfe. So wurde trotz des gemeinsamen Wunsches danach, darauf verzichtet, Eucharistie in einer Weise zu feiern, die die fundamental gleiche Würde von Mann und Frau durch eine entsprechende Verteilung der gottesdienstlichen (Leitungs-)Aufgaben zum Ausdruck gebracht hätte. Dieser schmerzliche Verzicht verdeutlichte allen Anwesenden umso mehr die empfundene Dringlichkeit, Gläubigen den Zugang zu allen kirchlichen Ämtern zu ermöglichen, unabhängig von ihrem Geschlecht.

 

Auf der Agenda standen auch Themen sozialer Gerechtigkeit, vor allem mit Blick auf Frauen, sowie ökologische Fragen, insbesondere zur globalen Erwärmung und Biodiversität.

 

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer verpflichteten sich, in verschiedenen Arbeitsgruppen an einzelnen Themen weiterzuarbeiten. Die internationale Konferenz in Irland war die zweite dieser Art; sie knüpfte an das Auftakttreffen des Reform-Netzwerks im Oktober 2013 in Bregenz an, das auf Einladung der österreichischen und schweizer Pfarrer-Initiativen stattfand. Damals waren katholische Priester und KirchenbürgerInnen aus sechs Länder vertreten. Zwischen der irischen „Association of Catholic Priests“ und der österreichischen Pfarrer-Initiative besteht bereits seit fünf Jahren ein intensiver Austausch.

 

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