Die Pfarrer-Initiative

   

Aufruf zum Ungehorsam

 

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ANMERKUNGEN


Stellungnahme von Papst Benedikt XVI bei der Chrisam-Messe 2012 

 

Die römische Verweigerung einer längst notwendigen Kirchenreform und die Untätigkeit der Bischöfe erlauben uns nicht nur, 
sondern sie zwingen uns, dem Gewissen zu folgen und selbständig tätig zu werden:

 

Wir Priester wollen künftig Zeichen setzen:

1

WIR WERDEN in Zukunft in jedem Gottesdienst eine Fürbitte um Kirchenreform sprechen. Wir nehmen das Bibelwort ernst: Bittet, und ihr werdet empfangen. Vor Gott gilt Redefreiheit.

 

2

WIR WERDEN gutwilligen Gläubigen grundsätzlich die Eucharistie nicht verweigern. Das gilt besonders für Geschieden-Wiederverheiratete, für Mitglieder anderer christlicher Kirchen und fallweise auch für Ausgetretene.

 

3

WIR WERDEN möglichst vermeiden, an Sonn- und Feiertagen mehrfach zu zelebrieren, oder durchreisende und ortsfremde Priester einzusetzen. Besser ein selbstgestalteter Wortgottesdienst als liturgische Gastspielreisen.

 

4

WIR WERDEN künftig einen Wortgottesdienst mit Kommunionspendung als "priesterlose Eucharistiefeier" ansehen und auch so nennen. So erfüllen wir die Sonntagspflicht in priesterarmer Zeit.

 

5

WIR WERDEN auch das Predigtverbot für kompetent ausgebildete Laien und Religionslehrerinnen missachten. Es ist gerade in schwerer Zeit notwendig, das Wort Gottes zu verkünden.

 

6

WIR WERDEN uns dafür einsetzen, dass jede Pfarre einen eigenen Vorsteher hat: Mann oder Frau, verheiratet oder unverheiratet, hauptamtlich oder nebenamtlich. Das aber nicht durch Pfarrzusammenlegungen, sondern durch ein neues Priesterbild.

 

7

WIR WERDEN deshalb jede Gelegenheit nützen, uns öffentlich für die Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt auszusprechen. Wir sehen in ihnen willkommene Kolleginnen und Kollegen im Amt der Seelsorge.

 

Im Übrigen sehen wir uns solidarisch mit jenen Kollegen, die wegen einer Eheschließung ihr Amt nicht mehr ausüben dürfen, aber auch mit jenen, die trotz einer Beziehung weiterhin ihren Dienst als Priester leisten. Beide Gruppen folgen mit ihrer Entscheidung ihrem Gewissen - wie ja auch wir mit unserem Protest. Wir sehen in ihnen ebenso wie im Papst und den Bischöfen "unsere Brüder". Was darüber hinaus ein "Mitbruder" sein soll, wissen wir nicht. Einer ist unser Meister - wir alle aber sind Brüder. "Und Schwestern" - sollte es unter Christinnen und Christen allerdings heißen. Dafür wollen wir aufstehen, dafür wollen wir eintreten, dafür wollen wir beten. Amen.

Dreifaltigkeitssonntag, 19. Juni 2011

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 Einige Anmerkungen

"Ungehorsam":

Seit dem „Aufruf zum Ungehorsam“ wurden wir aufgefordert, diesen Text zu widerrufen. Dies können wir guten Gewissens nicht tun, weil wir weiterhin zum Inhalt stehen. Der Ungehorsam gegenüber einzelnen geltenden strengen kirchlichen Regeln und Gesetzen ist bereits seit Jahren Teil unseres Lebens und Arbeitens als Seelsorger geworden. Öffentlich anderes zu bekennen als wir denken und handeln, würde die Dissonanz in Kirche und Seelsorge nur noch zusätzlich verschärfen.

Es ist uns jedoch bewusst, dass „Ungehorsam“ als Reizwort verstanden werden kann. Deshalb sind wir gern bereit, zu erklären, dass wir keinen generellen Ungehorsam um des Widerspruchs willen meinen, sondern jenen abgestuften Gehorsam, den wir zuerst Gott, dann unserem Gewissen und zuletzt auch der kirchlichen Ordnung schulden. In dieser Reihenfolge haben wir stets die Lehre der Kirche, den Papst und die Bischöfe gesehen. So wollen wir es auch weiterhin halten.

"Priesterlose Eucharistiefeier":

Der "Aufruf zum Ungehorsam" mit seinem provokanten Kunstbegriff der "priesterlosen Eucharistiefeier" ist der Form nach ein dramatischer Notruf und keine theologische Grundlegung. Wegen der aufgetretenen Missverständnisse stellen wir klar, dass für uns zur Eucharistiefeier das Hochgebet und der ordinierte Priester gehören. 

Allerdings wird vielen berufenen, geeigneten Christen und Christinnen der Zugang zur Priesterweihe von den Bischöfen verwehrt, weil diese am Pflichtzölibat festhalten und auch nicht bereit sind, über die Priesterweihe der Frau nachzudenken. Auch belegen sie Priester, die geheiratete haben weiter mit dem Verbot, ihrer Berufung nachzukommen. In mehr als der Hälfte der katholischen Gemeinden der Weltkirche wird wegen des dadurch entstandenen Priestermangels der Sonntagsgottesdienst als Wortgottesfeier gestaltet, um die Gemeinschaft im Glauben lebendig zu erhalten. 

Wir streben weiterhin die Eucharistiefeier mit dem Priester als Vorsteher und Verbindungsglied zur gesamten Kirche an. Wenn die Kirchenleitung immer mehr Gemeinden für die Eucharistiefeiern keinen Vorsteher mehr zur Verfügung stellt, fragen diese Gemeinden mit Recht, wie sie nun zu ihrer Eucharistiefeier kommen und ob es nicht neue Wege dorthin geben muss.

"Wir werden vermeiden, mehrfach zu zelebrieren...":

Dass ein Pfarrer oder ein Kaplan vielleicht 2 oder 3 *) Hl. Messen an einem Wochenende feiert ist nicht das Thema dieses Absatzes.

Die Praxis, alte, überforderte Priester anzuhalten, hin und her zu fahren und "einzuspringen", ist abzulehnen.

Viele ausländische Priester tun einen hervorragenden Dienst. Aber manche, die leider ungenügend Deutsch sprechen  oder oft eine völlig andere Kirchlichkeit leben, keine Inkulturation in Österreich mitgemacht haben (daraus folgend z. B. einen unzulänglichen Umgang mit Laien etc.) einzuteilen, nur, damit "irgendwie" noch eine Messe gefeiert (oder gar eine Pfarre geleitet) werden kann ist kein Ansatz für eine Lösung des Priestermangels.

*) Übrigens sieht der Codex (CIC CAN 905 §2) sogar vor, dass Priester nicht mehr als 3 Hl. Messen am Wochenende zelebrieren dürfen.